Ordnung mit Kindern – Teil 3: Law and Order: Wie viel muss mein Kind mithelfen?

Liebe Eltern, ich habe eine gute Nachricht!

„Kinderarbeit ist verboten!“ – wer kennt das Argument nicht, wenn es um Helfen im Haushalt geht. Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet zwar Kinderarbeit, erlaubt aber ausdrücklich „die Beschäftigung durch die Personensorgeberechtigten im Familienhaushalt“.

Im Beamtendeutsch sieht das so aus:

§ 1619 BGB
Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“

Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht das Mithelfen sogar als Gegenleistung für den Erziehungsauftrag und das Dach über dem Kopf (Haha!).

Im Klartext heißt das, dass selbst kleinere Kinder schon im Haushalt mithelfen können. Je älter das Kinder wird, desto größer wird der Aufgabenbereich: Tätigkeiten in Haushalt und Garten, Botengänge, die Betreuung von Kindern oder Senioren sowie Einkaufstätigkeiten sind ihnen zuzumuten. Ab 14 sind sieben Stunden pro Woche angemessen

Dass man den Nachwuchs dabei ausnutzt und als persönlich Putzfrau nutzt, versteht sich von selbst und auch der Entwicklungsstand und die Kräfte des Kindes müssen von den Eltern berücksichtigt werden.

Auf meiner Recherche bin ich auf die unterschiedlichsten Varianten getroffen, wenn es um das Thema „Bezahlung von Leistungen im Haushalt“ geht:

  • Manche zahlen kleine Beträge für die Hilfe und geben dafür kein Taschengeld.
  • Anderen erwarten kleine Arbeiten wie Tischabräumen und entlohnen Zusatzaufgaben wie Babysitten der jüngeren Geschwister.
  • Es gibt sogar die Variante, dass sich die Familie für eine Putzfrau entscheidet, zu deren Bezahlung Jugendliche seinen Teil beitragen muss.

Die Variante, außergewöhnliche Arbeiten mit Außergewöhnlichem zu belohnen, wird von Erziehungsberatern als „pädagogisch wertvoll“ empfohlen.

Die Frage: Ist das Elternhaus ein Hotel?

Letztendlich muss jede Familie für sich entscheiden, wie der Haushalt gehandhabt wird. Aber: Es tut jedem Menschen gut, wenn er etwas für die Gemeinschaft tun kann und merkt, dass er gebraucht wird.

Der erste Schritt: Kindern feste Aufgaben zuteilen

Das sieht dann so aus:

  1. gemeinsam überlegen, welche Aufgaben das Kind übernehmen kann und möchte,
  2. zeitlichen Rahmen aussieht festlegen
  3. unter welchen Umständen darf die Arbeit aufgeschoben werden

Klar ist: Bei der Umsetzung ist Konsequenz nötig. Und starke Nerven. Denn auch wenn man einen Plan erarbeitet hat, wird es beim Ausführen der Arbeit Gemaule geben. Ohren auf Durchzug! Und dem Nachwuchs die Arbeit nicht abnehmen – auch wenn es bequemer ist.

Wie viel muss ein Kind im Haushalt helfen

Und hier ist jetzt noch mal eine Liste der Dinge, die Kinder im Haushalt übernehmen können:

 Kinder zwischen 3 und 6 Jahren

  • den Tisch decken oder das eigene Geschirr abräumen
  • sich alleine anziehen
  • das Spielzeug in die Spielzeugkisten einräumen
  • Socken in den Kleiderschrank einräumen
  • gemeinsam mit den Eltern kochen
  • Blumen gießen (nach Anleitung)

Kinder zwischen 6 und 10 Jahren

  • eigenes Zimmer aufräumen
  • Bett machen
  • Tiere versorgen
  • getragene Kleidung in den Wäschekorb legen
  • Blumen gießen
  • beim Kochen helfen
  • Tisch decken und abräumen
  • kleine Erledigungen, zum Beispiel etwas zum Nachbarn bringen
  • Müll wegbringen

Heranwachsende zwischen 10 und 16 Jahren

  • Einkäufe erledigen
  • kochen
  • Sonntags Brötchen kaufen
  • Wäsche waschen
  • Geschirrspüler ausräumen
  • Schuhe putzen
  • kleinere Reparaturen erledigen
  • auf Geschwister aufpassen
  • Staub saugen

Also los gehts! Und keine falschen Hemmungen mehr 🙂

Wie viel muss ein Kind im Haushalt helfen

Denn ein „falsches“ Schonen nimmt den Kindern die Möglichkeit, als vollwertiges Mitglied sich in eine Gemeinschaft zu integrieren.

3 Kommentare

  1. GROSSARTIG! Diesen Paragraphen werde ich sofort ausdrucken und in der Küche aufhängen!
    Liebe Grüße
    Michaela

  2. Also der Wortlaut im Gesetzestext ist der Hammer, wusste nicht dass das Kind gleich verpflichtet ist. Das es erlaubt ist, dass das Kind seinen Fähigkeiten angemessen etwas hilft war mir schon klar. Danke für die Tipps was wann möglich sein sollte. Meine Süße kann bisher noch nicht helfen, aber das kommt ja dann sobald sie uns auch versteht und eigenständig etwas tun kann.
    Liebe Grüße Heike

  3. Neben der Mitarbeit im Haushalt sollte auch der Mehrwert für den späteren eigenen Haushalt nicht außer Acht gelassen werden. Wir lernen doch besser durch Mithelfen und Selbermachen als durch Zuschauen, seien es Routinen, Koch- und Backkniffe oder arbeitserleichternde Handgriffe. Ich könnte heute vermutlich meine T-Shirts nicht perfekt vor der Brust falten, wenn ich nicht jedes Wochenende die Wäsche von Spinne hätte nehmen müssen und zu bequem gewesen wäre, sie erst in der Wohnung zusammen zulegen.
    In der Jugend weiß man es noch nicht, aber ich bin meiner Mutter heute dankbar, dass sie mich zur Mitarbeit “genötigt“ hat. Das Maß war auch völlig in Ordnung – aus der heutigen Erwachsenen-Perspektive natürlich.

    Ich mag Euren Blog und seine Anregungen. Danke dafür.

    Liebe Grüße
    Posy
    2lebenwerden1.blogspot.de

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