Wie bekommt man Gerüche und Flecken aus Secondhand-Kleidung?

Ich bin ein großer Fan von Secondhand-Einkäufen! Während meines Studiums war ich ziemlich oft Kundin in den großen Vintage-Läden in Berlin, trug die selbst genähten Jacken meiner Oma und stöberte in kleinen Boutiquen mit refashioned Kleidung (damals gab es dafür irgendwie noch keinen Namen). Heute kaufe ich noch immer gerne Secondhand, aber hochwertiger. Da darf es dann schon mal das Designerkleid aus zweiter Hand sein. Oder der Liebste braucht ein ausgefallenes Bühnenoutfit und stattet sich in einem Armyladen aus (ich liebe es ja, wenn er wie ein Mitglied der Villagepeople auf Landgang aussieht!)

Ich weiß, dass nicht jeder getragene Kleidung mag. Bei dem ein oder anderen hört es bei Schuhen auf, der nächste mag Jacken, aber keinen direkten Hautkontakt wie bei einer Bluse. Oft höre ich „Das ist hygienisch bestimmt eklig!“, „Kann Kleidung schlechtes Karma haben?“ oder „Wo das schon rumgeflogen ist…“

Ja, Vintage-Kleidung hat Geschichte! Und das macht sie doch so einzigartig!

Secondhandsachen waschen

Und ja, manchmal hat sie auch ein bisschen mehr als Geschichte – Flecken, Mottenkugelduft und Muff. Und der muss natürlich weg – keine Frage!

Was man nie machen sollte: Die muffige Kleidung in den Schrank hängen. Auch wenn man erst einmal etwas ratlos ist, wie man das gute Stück davon befreien soll – weit weg damit von anderer Kleidung. Denn gerade Mottenkugelgeruch überträgt sich wirklich gerne auch auf andere Sachen!

Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, legt das Kleidungsstück vor dem Waschen oder Reinigen zwei Tage lang in den Gefrierschrank – diese Behandlung überleben Mottenlarven ganz bestimmt nicht und ihr holt euch kein Ungeziefer in die Wohnung!

1 | Waschbare Kleidung

Der erste Blick sollte immer erst mal auf die Suche nach einem Wäsche- bzw. Materialetikett gehen. Wahrscheinlich werdet ihr nicht fündig werden, wenn es ein richtig altes Stück ist. Hier ist Fingerspitzengefühl im wahrsten Sinne des Wortes gefragt, da ihr nun herausfinden solltet, um welches Material es sich handelt. Zusätzlich weiß man oft auch nicht, um was für eine Art Fleck es sich handelt. Also gehen wir grundsätzlich ganz vorsichtig vor! Besonders Sachen aus Kunstmaterialien werden nicht gerne mit unseren heutigen Waschmitteln gewaschen. Polyester wird beispielsweise mit Bleichmittel gelb.

Reibt ein paar Tropfen unverdünnte Geschirrspülmittel direkt auf den Fleck und geben das Kleidungsstück mit einem Feinwaschmittel und einer Tasse Essig in die Waschmaschine. Wenn möglich: In der Sonne trocknen. Aber auch hier muss man bei Polyester aufpassen, der gelblich werden kann.

Secondhandkleidung

Der große Vorteile von Essig: Er vertreibt unangenehmen Geruch – ihr werdet ihn noch ein paar Mal in diesem Artikel antreffen!

Sollte das Kleidungsstück noch immer müffeln: Vorgang wiederholen! Dazwischen immer gut lüften! Auch Natron hilft gegen Geruch und kann dem Waschgang zugegeben werden. Den Essig nicht vergessen, der hier als Weichspüler fungiert. Waschen und lüften – irgendwann kapituliert auch der stärkste Mottenkugelduft!

 

2 | Handwäsche für empfindliche Stoffe

Wollsachen oder empfindliche Stoffe können prima mit der Hand gewaschen werden. Waschmittel auflösen und in einen Eimer mit maximal lauwarmem Wasser geben. Am besten so kalt wie möglich! Das Kleidungsstück ganz vorsichtig im Wasser schwenken. Blutet die Farbe nicht aus, dann kann das Kleidungsstück 20 Minuten ein Bad nehmen. Färbt es ab, sofort raus aus dem Wasser!

Danach mit kaltem Wasser durchspülen und vorsichtig ausdrücken. Danach liegend trocknen.

Secondhandkleid aus den 70ern

Original Secondhandkleid aus den 70ern – ich trage es unglaublich gerne bei Mottopartys

3 | Nicht waschbare Sachen

Ein ganz wunderbares Teil gefunden und es ist schon im Geschäft klar, dass es nur gereinigt werden kann? Dann solltet ihr die Reinigungskosten schon beim Kauf einrechnen, denn sonst kann das vermeintlich tolle Schnäppchen ziemlich teuer werden.

Es gilt: Kleidungsstücke, die auch offiziell unter Vintage laufen (40 Jahre oder älter sind), besser gleich in die Reinigung geben.

Aber auch hier müsst ihr ganz vorsichtig sein, denn viele Vintagestücke sind nicht farbecht oder sehr empfindlich. In den meisten chemischen Reinigungen kann man seine Sachen nass oder trocken reinigen lassen. Sprecht am besten in einer guten Reinigung mit einem Mitarbeiter und schaut euch gemeinsam das Gewebe an.

Secondhandsachen waschen

Manchmal reicht die Reinigung nicht aus, um Gerüche ganz zu beseitigen. Aber auch da gibt es ein paar Tricks: Nehmt ein Stoffsäckchen (am besten Organza) und füllt es mit Katzenstreu oder Silcagel (das sind die kleinen Säckchen, die immer Elektronikartikeln beiliegen). Dazu mischt ihr dann ein bisschen ätherisches Öl oder ein Zimtstange. Mit an den Kleiderbügel gehängt und raus zum Lüften.

4 | Reinigung Leder und Schuhe

Erst einmal: Die Reinigung von Leder beginnt mit einem feuchten Lappen, um Schmutz zu entfernen. Danach kann ein Lederfett aufgetragen werden, damit es wieder schön glänzt. Ein Schuh müffelt: Auch hier wirkt das oben genannte Säckchen Wunder!

Seconhandsachen waschen

5 | Und wenn der Fleck nicht rausgeht?

Werdet kreativ! Versteckt den Fleck – vielleicht mit einem Knopf oder einer Brosche oder einer Applikation? Auch kleine Mottenlöcher können prima damit verborgen werden. Manchmal hilft es auch, das gesamte Kleidungsstück umzufärben (besonders bei Flecken oder Gilb)

Und zum Schluss noch ein Tipp von einer Maskenbildnerin aus der Film- und Theaterwelt:

Kostüme werden von Innen mit reinem Wodka besprüht – er absorbiert die Gerüche ganz prima! Das wird beim Film gerne zwischen den Drehs verwendet, wenn keine Zeit zum Reinigen bleibt.

Secondhandkleidung

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