Warum dich Unordnung noch mehr stresst, als du annimmst

Uns ist allen klar: Wenn der Haustürschlüssel verschwunden ist und die Wohnung im Chaos versinkt, dann sind die wenigsten von uns ausgeglichen und gelassen. Die unauffindbaren Steuerquittungen, die gerade zugeschickte und direkt verschwundene Bahncard treiben den Puls ganz schnell nach oben. Aber es gibt noch andere Gründe, die sehr viel tiefer liegen, warum uns Unordnung unser Leben verhageln kann.

Eine Studie aus den USA hat nämlich herausgefunden, dass unordentliche Häuser und Wohnungen mit einem höheren Grad an Stress korrelierten, wobei dieser Effekt bei Frauen häufiger auftritt als bei Männern. Die Studie legte ihren Schwerpunkt auf das sogenannte Cortisol (auch bekannt als das Hauptstresshormon des Körpers) und untersuchte Ehepaare mit doppeltem Einkommen in der Region von Los Angeles mit mindestens einem Kind im schulpflichtigen Alter.

Frauen, die glaubten, ihre Häuser seien überfüllt, hatten einen erhöhten Cortisolspiegel, was eine Speicheluntersuchung an drei aufeinander folgenden Tagen belegte. Während das Verhältnis zu ihrer Wohnumgebung die Männer nicht besonders beeinflusste, waren die Frauen signifikant unzufriedener, wenn sie mit dem Zustand ihres Hauses nicht glücklich waren, wie eine ergänzende Befragung zeigte.

Kurz zusammengefasst: Unordnung lässt den Cortisolspiegel ansteigen und uns gestresst und unruhig fühlen. Je mehr Zeug, desto mehr Stress.

Und noch etwas: Neurowissenschaftler an der Princeton University fanden heraus, dass Unordnung im Umfeld der Probanden zu deutlich schlechteren Ergebnissen, Leistungseinbußen und erhöhtem Stress führten – im Gegensatz zu den Menschen, die in einem aufgeräumten Umfeld die Aufgaben erledigten.

Vielleicht hast du ja selbst bei dir schon festgestellt, dass Unordnung deine Aufmerksamkeit beim Arbeiten ständig zwischen verschiedenen Impulsen und Aufgaben hin- und herspringen lässt. Mir geht es jedenfalls so: Wenn mein Schreibtisch aufgeräumt ist, kann ich sehr viel besser und konzentrierter arbeiten.

Ordnung bewirkt das Gegenteil

Ein ordentlicher Haushalt hat, laut einer Studie der Universität Indiana aus dem Jahr 2013, den gegenteiligen Effekt – ein aufgeräumtes, strukturiertes und sauberes Zuhause macht glücklich. Ordentliche Probanden der Untersuchung hatten im Vergleich zur Gruppe der Unordentlichen einen durchweg niedrigeren Cortisolspiegel. Dafür waren ihre Dopamin-, Serotonin- und Melatonin-Werte, also die der sogenannten Glückshormone, signifikant höher. Ordnung steigert also ganz eindeutig das psychische und körperliche Wohlbefinden, weil der Stresslevel gesenkt wird.

Ich räume beispielsweise sehr gerne in Situationen auf, in denen ich sehr unruhig und gestresst bin. Das gibt mir nicht nur das Gefühl, meine persönliche Welt im Griff zu haben, es beruhigt mich tatsächlich. Und es ist ein Win Win: Weniger Stress und ein ordentliches Zuhause.

Stress beim Loslassen

Alle Marie Kondo Fans müssen jetzt ganz stark sein. Denn Darby Saxbe, ein Assistenzprofessorin für Psychologie an der University of Southern California, fand den Grund dafür, warum wir uns so schwer von Dingen trennen können. Sie argumentiert, wenn wir ein Objekt berühren, fühlen wir uns daran gebunden. Das macht es schwieriger, es loszulassen. Anstatt also einen Gegenstand aufzunehmen, um zu fühlen, ob er uns „Freude bereitet“, sollten wir ihn von jemand anderem hochhalten lassen, bevor wir entscheiden, ob wir ihn behalten oder weggeben. Das Phänomen kann uns auch beim Shoppen helfen: Lass Dinge im Laden lieber vor dir liegen und nimm sie nicht in die Hand, da du sie so wahrscheinlich eher nicht kaufen wirst. Denn sobald Gegenstände bei uns zu Hause sind, ist es schwieriger, sich von ihnen zu trennen.

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Über Sabine

Ordnung war schon immer eine Leidenschaft von mir. Eine ordentliche Wohnung ruft tiefe Entspannung und Freude bei mir hervor! Leider, leider bin ich eine faule Socke, die zwar sortierte Wäsche liebt, aber eigentlich lieber ein Buch lesen würde. Also machte ich mir Gedanken zu folgender Frage: „Wie kann ich eine maximal ordentliche Wohnung mit minimalem Einsatz bekommen?“ Und das ist nun meine Mission! Viel Ordnung mit wenig Aufwand!

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