Warum Unordnung und Chaos bares Geld kosten

Unordnung kostet Geld

„Ähmmm, Unordnung kostet Geld? Also, bei mir bestimmt nicht!“

Hab ich mir auch immer gedacht! Aber wenn man mal ganz genau hinschaut, dann kann das häusliche Chaos wirklich Geld kosten. Vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber oft sind es ja die kleinen Dinge, die sich dann auf das Jahr gerechnet doch ziemlich viel ausmachen.

1. Verschlampt und vergessen

Die Rechnung, die nicht rechtzeitig gezahlt wird, weil sie auf dem Stapel mit den Schnittmustern gelandet ist, die Frist, die nicht eingehalten wurde, weil der Brief irgendwo rumfliegt. Oder der Retourenschein, den man zum Umtausch des Kleides benötigt, das einem so gar nicht steht. – alles ziemlich offensichtliche Gründe, wo Unordnung zu einem tatsächlichen Geldverlust führt. Habt ihr euch beim Machen der Steuer auch schon geärgert, dass Quittungen fehlen? Das passiert mir sehr gerne! Wenn man sie aber sofort nach dem Einkauf in die Box für Quittungen wirft, dann ist das am Ende des Jahres bares Geld.

Letztes Jahr habe ich mein Auto aufgeräumt und jede Menge Parkquittungen gefunden, die ich einfach achtlos irgendwohin gestopft hatte. Leider konnte man darauf nichts mehr erkennen, da sich das Thermopapier durch Sonneneinstrahlung und Temperaturschwankungen vom Aufdruck verabschiedet hatten. Bei 14 gefundenen Zettelchen, die im Schnitt einen Betrag von 4 Euro wert waren (jaja, das Rhein-Main-Gebiet), sind das schon mal 56 weggeworfene Euro. Schade.

Wenn wir schon beim Thema Steuern sind: Strafgebühren für eine zu spät abgegebene Steuererklärung gibt es übrigens auch …

Meine liebste Geldverschwendung durch Schlampigkeit: Gutscheine, die ich entweder nicht dabei habe, wenn ich ihn gerade benötige oder die ich nie wieder finde (weil sie noch in irgendeiner Geburtstagskarte rumlungern).

Ordner © lenetsnikolai

2. Doppelt und dreifach kaufen

Wer  unordentlich ist, der kauft Dinge doppelt oder mehrfach, weil er sie einfach nicht finden kann oder keinen Überblick hat. Das klingt erst mal nach „Achje, so schlimm ist es bei mir noch nicht“, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, dann hat das jeder von uns schon getan. Ich muss immer Geburtstagskarten kaufen und im Baumarkt landen regelmäßig Dübel und Nägel im Einkaufswagen, weil ich keine Ahnung habe, ob ich das Produkt in der Größe besitze – bääääm, schon ist es passiert! Dinkelmehl? Immer her damit!

Besonders, wenn man Kinder hat, dann kann man ziemlich viel Geld in nicht auffindbare Handschuhe, unmarkierte Bleistifte und Turnschläppchen investieren. Ich kann ein Lied davon singen und ich würde mal behaupten, dass wir keine Messihaushalt sind!

3. Kein Plan? Dann ist das Konto hoffentlich belastbar …

Dieses Jahr mussten wir unseren Sommerurlaub relativ spontan buchen, da er aus Gründen gar nicht stattfinden sollte. Das Schicksal wollte es anders, aber ein sinnvoller Plan fehlte uns. Hätte auch nix genutzt, wenn wir ihn gehabt hätten, denn wir hätten ihn nicht durchführen können. Keine günstigen Unterkünfte, keine guten Angebote, teure Flüge – alles weg und ausgebucht. Für uns blieb der wohl kostspieligste Urlaub in der Familiengeschichte übrig (im Endeffekt war es nicht so schlimm, weil die Kosten vor Ort UNGLAUBLICH günstig waren, aber der Schock … ich sags euch …). Eigentlich weiß es jeder: Wer vorausplant, bekommt die besseren Preise – egal ob es sich um Reise und Hotel oder die Garderobe für die Saison handelt – der benötigte Reisekoffer für den Sommer kostet im Juni weitaus mehr als im Sommerausverkauf im September, der Wintermantel im November ebenso. Last-Minute-Einkäufe sind immer teuer!

Unordnung kostet Geld

4. Unordnung kostet Energie

Stellt euch folgendes vor: ihr wollt aus dem Haus, weil ihr einen dringenden Termin habt. Als erstes ist das Handy nicht am Ladekabel, dann der Schlüssel unauffindbar. Wenn ihr endlich im Auto sitzt, dann fällt euch ein, dass ihr die Adresse noch nicht rausgesucht habt. Kein schöner Start in den Tag, oder? Da hat euch das Chaos gleich mal eine ordentliche Portion Energie geraubt, die ihr vielleicht gerne an anderer Stelle eingesetzt hättet! Wie viel Zeit und Energie vergeudet ihr beim Suchen nach Schlüssel, Geldbeutel, Sonnenbrille, Elternbriefe etc.?

Jede dieser Minuten summiert sich und möchte man sie nicht viel lieber für etwas anderes nutzen? Für Entspannung und Freizeit? Man ist einfach nicht so produktiv bei der Arbeit, wenn man von Unordnung umgeben ist. Hier ist ganz klar Zeit Geld!

Unordnung macht mich persönlich immer ein bisschen unzufrieden. Und mir fällt es schwer, mich wirklich zu entspannen, weil ich ständig von all dem Durcheinander an meine Unordentlichkeit erinnert werde und Schuldgefühle aufbaue. Nicht so gut, gelle? Wollen wir nicht! Und nicht zu vergessen: Die Streitereien mit der Familie um das unsägliche Thema Aufräumen…

5. Das Chaos braucht Platz!

Ich habe einen Freund, der unglaublich viel Geld in Außer-Haus-Essen investiert. Weil seine Küche so chaotisch ist, dass man darin kaum einen Topf Nudeln kochen kann. Ich möchte gar nicht wissen, was er dafür im Jahr ausgibt. Und wirklich glücklich macht ihn das auch nicht, da er eigentlich ein Fan von guter Hausmannskost nach Muttis Rezept ist.

Unser Kram, den wir oft doppelt und dreifach besitzen, braucht Platz! Die beiden Lockenstäbe, wovon einer nur nicht mehr richtig heiß wird. Die Milchkännchensammlung, der kaputte Rasenmäher, das Surfboard aus der Studienzeit – alles muss irgendwo untergebracht werden. In der Garage passt kein Auto mehr, weil dort eine Gerümpelkammer eingezogen ist, der Keller ist zu klein, so dass man zusätzlichen Stauraum mieten muss. Wir brauchen also ein gewisse Größe an Haus oder Wohnung, um all diese Dinge aufzuheben. Und jeder Quadratmeter kostet! Wäre ein Home-Office nicht viel schöner als ein Chaos-Bügelzimmer?

Unordnung kostet Geld

Beim Schreiben dieses Artikels ist mir jedoch als erstes etwas eingefallen, was eher in die großen Dimensionen gehört: Mein Elternhaus.

Als mein Vater verstarb, war ziemlich schnell klar, dass wir mein Elternhaus verkaufen möchten. Es war viel zu groß geworden für meine Mutter, die nun alleine darin wohnte – in einem riesigen Haus, in dem mal drei Generationen lebten. Während wir versuchten, das Haus zu verkaufen, räumten wir es aus.

„Ausräumen“ klingt irgendwie unspektakulär, aber tatsächlich lösten wir drei Haushalte auf. Es war eine enorme Sortiererei mit Unmengen an Kisten, Kartons und Säcken. Dass das unordentlich ausschaut, könnt ihr euch vielleicht vorstellen …

Leider waren wir mit der Immobilie zu einem Zeitpunkt am Markt, zu dem der Verkauf nicht flutschten wie heute (jedenfalls in unserer Region) – niemand wollte das Riesenhaus. Wir haben viele Menschen durchgeführt und alle waren ein bisschen verschreckt über das Gebäude aus den 70ern, in dem sich die Kartons stapelten.

Aber dann hatte meine Mutter eine Idee: Sie ließ die Fassade streichen und schon sah das Haus viel freundlicher aus. Und meine Schwester und ich räumten auf: Alle Kartons raus und die alten Bauernmöbel hübsch arrangiert in den Räumen verteilt.

Und oh Wunder: Der nächste Interessent (eine amerikanische Familie) war sofort Feuer und Flamme. Mit ein bisschen Makeup war das Haus verkauft!

Was ich damals noch nicht wusste: in den USA ist diese Herangehensweise Gang und Gäbe. Ein Haus wird vor der Präsentation aufgeräumt und aufgehübscht, repariert und poliert. Dafür gibt es sogar ganze Berufszweige. Denn niemand möchte das sehen, was er im schlimmsten Fall selbst an Unordnung fabrizieren kann. Wir träumen doch alle von einer hübsch aufgeräumten Wohnung/Haus und wollen nicht gleich das Chaos kaufen!

In diesem Fall hätte uns die Unordnung tatsächlich richtig viel Geld gekostet. Klar, mussten wir ein bisschen Farbe und Zeit investieren, aber im Endeffekt haben wir es vielfach wieder raus geholt.

Unordnung kostet Geld

 

 

4 Kommentare

  1. Was für ein toller Post. Und recht hast du. Ich muss zwar noch keine Steuererklärung machen, aber ich sammel die Zettel immer für meine Eltern. Und aufräumen spart wirklich Zeit, achje.. jeder mal selbst an der Nase zupfen =)
    Liebste Grüße

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