Wie viel Ordnung ist zu viel Ordnung?

Ich habe eine Freundin, die jedes Mal ganz verzweifelt ist, wenn sie bei mir zu Besuch ist. Wie ich es denn schaffen würde, dass es bei uns immer so ordentlich ist und bei ihr so schlimm unaufgeräumt? Sie sei doch den ganzen Tag zu Hause und würde putzen und räumen und waschen und es sähe abends immer noch schlimm aus.

„Aufgeräumt“ ist subjektiv

Mal eins vorne weg: Bei mir ist es nicht unglaublich ordentlich und immer aufgeräumt. Ich würde es mal „normal“ nennen, wie es halt so aussieht, wenn dort eine Familie lebt.

Ordnung ist immer eine subjektive Sache! Wo jemand sich verzweifelt die Haare über Chaos raufen würde, sind andere schon sehr zufrieden. Für die einen ist eine Wohnung oder ein Haus erst dann ordentlich, wenn man dort spontan ein Shooting für „Schöner Wohnen“ abhalten kann. Für andere schon dann, wenn man sich keinen Knöcheln beim Durchqueren des Wohnzimmers verstaucht.

Ordnung ist subjektiv. Bei Ordnung geht es nicht um Perfektion. Nicht um krankhaften Putzwahn. Bei Ordnung geht es darum, sich das Leben zu erleichtern. Darum, das Wohlbefinden zu erreichen, dass man in seiner Umgebung gerne haben möchten.

Meine Ordnung ist für meine Freundin schon super. Für mich immer noch verbesserungswürdig und im Gegensatz zu meiner Freundin Sonja würde ich mal sagen: einfach unglaublich verbesserungswürdig!

Blick ins Schlafzimmer

Sonja kenne ich seit meinem Studium und mit ihrer Studentenbude unterm Dach. Niedlich. Eng und ein bisschen chaotisch, da Mann und erstes Kind dort natürlich auch wohnten. Über die Jahre, zahlreiche Umzüge und zwei zusätzliche Kinder hat sie sich ihr Haushalt unglaublich strukturiert, entrümpelt und aufgeräumt. Ich bewundere sie für diese klare Linie. Während ich meine gefühlten tausend Bad-Accessoires in Ordnung halten muss, herrscht bei ihr Übersichtlichkeit. Sie kann damit das, was oben genannte Freundin, die ihr Haus immer als nicht aufgeräumt empfindet, problemlos durchführen: Den Haushalt ordentlich halten.

Kleine Schritte auf dem Weg zur Ordnung

Unsere Ordnung im Haushalt ist nicht von einem Tag auf den anderen geschehen. So etwas funktioniert nicht. Das ist wie bei der Umstellung der Essgewohnheiten, um abzunehmen. Solche Prozesse dauern. Ich stelle mir gerade vor, wie ich meiner Familie mitteile, dass ich aufgeräumt habe und dass dies in Zukunft so bleibt. Sie würden es (optimalerweise) wohlwollend zur Kenntnis nehmen und am nächsten Tag würden doch wieder alle Socke verstreut herum fliegen und alles wäre ganz schnell beim Alten.

Lebt man nicht allein, so muss man natürlich Ordnungsstrategien finden, die alle Mitbewohner mittragen können, bzw. die so einfach sind, dass man nicht umhin kommt, sie zu übernehmen. Und auch der innere Schweinehund ist ein ernst zu nehmender Gegner, der gerne die Handtasche im Wohnzimmer fallen lässt oder Kuscheldecken übereinander getürmt und zerknüllt auf dem Sofa drapiert.

Fotolia_Wie viel Ordnung ist zu viel

Jeder hat jedoch eigene Motivationen, den Schweinehund zu überlisten. Wenn alles schön ordentlich im Wohnzimmer ist, dann fällt es mir beispielsweise schwerer meine Kram dort fallen zu lassen als wenn ich ihn einfach zu der restlichen Unordnung addiere. Ich finde leere Flächen toll!

Und auch mein Schuhschrank ist zum Beispiel immer tipp topp, weil ich es liebe, meine ordentlich aufgereihten Schätze zu bewundern und in unserem Schlafzimmer ist alles sehr clean und ohne Schnickschnack, weil ich festgestellt habe, dass ich so am besten schlafe.

Unterschiedliche Motivationen

Die Motivation meiner Schwester aufzuräumen kommt beispielsweise nicht aus ihr selbst. Ich nenne sie mal den „kreativen Typ“ und ich erinnere mich nur zu gut, wie meine Mutter an ihr verzweifelt ist. Ihre Unordnung war unglaublich, aber auch immer total spannend: Fand man doch in jedem Eckchen irgend eine nette Kleinigkeit, glitzerndes Bastelmaterial oder einen inspirierenden Zeitungsausschnitt. Jetzt liebt meine Schwester jedoch einen Mann, der so gar nicht mit Unordnung leben kann. Und mit dem ist sie zusammen gezogen. Als ich das erste Mal in ihrer Wohnung war, konnte ich es nicht glauben: Ordnung! Überall! Und zwar von meiner Schwester gemacht. Ihre Motivation kommt aus festen Regeln, die vereinbart wurden – und die schon damit anfingen, dass radikal vor dem Umzug ausgemistet wurde. Alles hat jetzt seinen Platz und jede Neuanschaffung muss irgendwohin passen – auch Kleinigkeiten.

Und eine meiner Freundinnen hat ein Schwiegermuttermantra. Sie stellt sich immer vor, dass ihre Schwiegermutter unangekündigt vorbei kommen könnte – und dabei hält sie sich immer Weisheiten vor wie: „An der Spüle erkennt man die Qualitäten einer Hausfrau“ und „wer Betten nicht lüftet, wechselt auch seine Unterhosen nur einmal die Woche!“ Kann man seltsam finden, sie ist über diese Motivation ganz glückliche, weil sie der Ansicht ist, dass dies genau der A…tritt ist, den sie braucht, um den Mantel nicht gleich an der Wohnungstür fallen zu lassen.

Also: Wieviel Ordnung man braucht und wie man sich dazu motiviert ist ganz unterschiedlich. Und für die Basis gibt es Tricks und Kniffe, für die Kür dann die schönen Schildchen 😉

In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Sonntag – an dem hoffentlich nicht mehr groß aufgeräumt werden muss…

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2 Kommentare

  1. Das Schwiegermuttermantra ist super! Da meine Schwiegermutter direkt nebenan wohnt, habe ich mich an ihre spontanen Besuche jedoch schon gewöhnt. Vielleicht versuche ich es mal mit dem „Frauentauschmantra“: Ich stelle mir vor, da kommt die Kamera und zoomt die Spinnenweben an der Decke rein und dazu der Kommentar der Tauschmama: „Iiiih wie eklig, wie kann man nur so hausen!“
    Das könnte funktionieren. Hihihi Ideen braucht der Mensch!
    Danke dafür!
    Genieße deinen Tag
    Natalie

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